Liebling, ich habe die Fische geschrumpft!
9 November 2009
Forschungen zeigen, dass durch die globale Erderwärmung Fische immer kleiner werden.
Laut einer aktuellen französischen Untersuchung haben Fische durch die globale Erwärmung im Durchschnitt die Hälfte ihrer Körpermasse verloren, und kleinere Arten machen mittlerweile einen größeren Anteil des gesamten europäischen Fischbestands aus. "Das ist wirklich besorgniserregend", so Martin Daufresne vom französischen Institut für Agrar- und Umweltwissenschaften (Cemagref) in Lyon. "Größe ist eine fundamentale Eigenschaft, die mit verschiedenen biologischen Funktionen verbunden ist, beispielsweise mit der Fortpflanzung."
Kleinere Fische produzieren üblicherweise weniger Eier. Sie bieten auch eine geringere Nahrungsgrundlage für Raubtiere (wie auch für Menschen), was sich deutlich auf die Nahrungskette und das Ökosystem auswirken kann. In früheren Studien zeigte sich bereits, dass sich durch steigende Wassertemperaturen der geografische Lebensraum der Fische genauso wie ihr Migrations- und Brutverhalten geändert hat. Generell leben in wärmeren Regionen kleinere Fische.
Daufresne und seine Kollegen untersuchten im Rahmen langfristiger Studien die Fischpopulationen in Bächen und Flüssen sowie in Nord- und Ostsee und führten Experimente mit Bakterien und Plankton durch. Sie fanden heraus, dass einzelne Arten in den letzten 20 bis 30 Jahren durchschnittlich bis zu 50 Prozent ihres Körpergewichts verloren haben, während der allgemeine Fischbestand um bis zu 60 Prozent gesunken ist. Dies ist das Ergebnis einer geringeren Größe bei Erreichen der Geschlechtsreife und eines gesteigerten Anteils von jungen Tieren und kleinen Fischarten, so Daufresne.
"Diese Auswirkungen konnten wir bei mehreren Lebewesen und in ganz verschiedenen Umgebungen beobachten – bei Fischen, Plankton, Bakterien, in Süß- und in Salzwasser. All diese Organismen in all ihren Lebensräumen werden immer kleiner", berichtete Daufresne in einem Interview mit Agence France Press.
In einigen der untersuchten Gebiete wirken sich natürlich der kommerzielle Fischfang und Freizeitangler auf die Ergebnisse aus, diese sind jedoch nicht der einzige auslösende Faktor für die Änderung der Körpergröße, wie die in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichte Studie betont. "Wir möchten die Bedeutsamkeit anderer Faktoren nicht leugnen, doch unsere Forschungen sind ein deutlicher Beweis dafür, dass die Temperatur tatsächlich eine wichtige Rolle bei der Änderung der Größenstruktur der Fischbestände in ihren Lebensräumen spielt", so die Schlussfolgerung der Arbeit.
Quelle/Weitere Informationen
Weitere Informationen in "Der Spiegel" (Englisch)
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