Die Wasserbilanz
23. April, 2010
Sie verbrauchen mehr Wasser als Sie denken
Hier eine Frage: Wie viel Wasser wird Ihrer Meinung nach für eine Tasse Kaffee benötigt? Sie werden wohl sagen, etwa 30 bis 50 ml für einen Espresso bis hin zu etwa einem halben Liter für einen großen Caffè Latte. Dabei handelt es sich zwar in etwa um die Wassermengen in der Tasse, aber die eigentliche Wassermenge, die für die Zubereitung einer normalen Tasse Kaffee verbraucht wird, liegt bei unglaublichen 140 Litern. Schwer zu glauben? Vielleicht – aber dennoch die Wahrheit.
Die Rechnung hierfür sieht folgendermaßen aus: Für die Produktion eines Kilos gerösteten Kaffees werden ca. 21.000 Liter Wasser benötigt. Eine normale Tasse Kaffee von 125 ml wird mit 7 g Röstkaffee zubereitet, für die dann insgesamt 140 Liter Wasser verbraucht wurden. Und nicht nur bei der Kaffeeproduktion wird jede Menge Wasser verbraucht, sondern auch für viele andere Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter. Reis: 3.400 Liter für 1 Kilo. Baumwolle: 2.700 Liter für 1 Hemd. Rindfleisch: 15.500 Liter für 1 Kilo. Möglicherweise war Ihnen das schon bekannt, ansonsten haben Sie gerade eine Menge über Ihre Wasserbilanz gelernt. Leider hinterlassen wir auf unserem Planeten keine kleinen Mäusespuren, sondern eher die Abdrücke eines Elefanten.
Ernste Wasserprobleme
Fast drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, aber nur 2,5 Prozent davon ist Süßwasser, der Rest ist Salzwasser. Das Leben auf unserem Planeten hängt von der Süßwasserversorgung ab. An vielen Orten der Welt gibt es aber gravierenden Wassermangel oder schwere Wasserverschmutzung: Flüsse trocknen aus, der Wasserstand von Seen und der Grundwasserpegel sinken und verschmutztes Wasser stellt eine Bedrohung für viele Tierarten dar. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird es möglicherweise für die Hälfte der Erdbevölkerung schwierig werden, genügend Wasser zum Trinken und zur Bewässerung zu finden.
Direkter und indirekter Wasserverbrauch
Es wird viel Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen verbraucht, aber noch viel mehr für die Produktion von Gütern wie Lebensmittel, Papier, Baumwollkleidung usw. Die meisten unserer Süßwasservorräte werden für die Lebensmittelproduktion eingesetzt: Mehr als 80 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs entfällt auf die Landwirtschaft. Während die CO2-Bilanz lediglich anzeigt, wie viele Emissionen durch unsere Aktionen erzeugt werden, bezieht sich die Wasserbilanz auf unseren direkten und indirekten Wasserverbrauch. Sie gibt an, welche Menge Wasser hinter unseren täglichen Aktionen als Verbraucher und Käufer von Gütern steckt.
Bewusstsein wecken
Konzept und Methodik der Wasserbilanz wurden 2002 vom niederländischen Professor Arjen Hoekstra für UNESCO-IHE, das United Nations Institute for Water Education, aufgestellt. Die Forschungsarbeiten von Professor Hoekstra führten 2008 zur Gründung des Water Footprint Network. Professor Hoekstra ist einer der Leiter dieser gemeinnützigen Organisation, die das globale Wasserproblem aus verschiedenen Richtungen angeht. Dazu gehört auch, das Bewusstsein der Verbraucher zu wecken.
Reduzieren der persönlichen Wasserbilanz
Ihre "indirekte Wasserbilanz", also der Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung, die hinter allen von Ihnen erworbenen Gütern stecken, sind sehr viel größer als die direkte Wasserbilanz zu Hause. Nach Angaben des Water Footprint Network lässt sich die indirekte Wasserbilanz auf verschiedene Weise reduzieren. Eine Möglichkeit besteht darin, von einem Produkt mit einer hohen Wasserbilanz auf ein anderes mit einer niedrigeren Bilanz umzusteigen. Essen Sie beispielsweise weniger Rindfleisch (dadurch können Sie gleichzeitig Ihre CO2-Bilanz senken!), trinken Sie Tee statt Kaffee, oder begnügen Sie sich mit Leitungswasser. Vergessen Sie nicht: In einer einzigen Tasse Kaffee stecken in Wirklichkeit 140 Liter Wasser. Angesichts dieser Tatsache dürfte Sie nicht nur der Kaffee wachrütteln...
Hier erfahren Sie mehr zu Ihrer Wasserbilanz
