Plastiki: Ãko-Flaschenschiff
16. Juli, 2010
Segelboot aus recycelten Plastikflaschen macht auf Müllproblem aufmerksam
Am 20. März 2010 verließ das Segelboot Plastiki den Hafen von San Francisco. Vor ihm liegen über 7.400 Seemeilen. Das Ziel: Sydney in Australien. Die Botschaft: Müll ist eine Ressource. Dennoch schwimmt in unseren Ozeanen eine unglaubliche Menge an Plastikabfällen, was die Umwelt stark belastet.
12.500 neu genutzte Plastikflaschen
Wie der Name bereits sagt, besteht die Plastiki aus Plastik. Genauer gesagt, wurde das gut 18 Meter lange Segelboot aus etwa 12.500 recycelten Plastikflaschen gebaut, was in etwa der Zahl der Flaschen entspricht, die in den USA alle 8,3 Sekunden gekauft werden. „Müll ist ein komplett ineffizientes Konzept. Wenn wir uns mehr Gedanken darüber machten und verstünden, wie wir Materialien verwenden und wiederverwenden können – hauptsächlich Kunststoff –, können wir Müll in eine wertvolle Ressource verwandeln“, so Umweltaktivist David de Rothschild, der die Plastiki-Expedition leitet.
Cradle-to-Cradle-Konzept
Das Abenteuer Plastiki begann vor vier Jahren. Inspiriert wurde de Rothschild durch einen Bericht der UN über den Zustand der Ökosysteme und Artenvielfalt in den Weltmeeren sowie durch die berühmte Expedition „Kon-Tiki“, die Thor Heyerdahl 1947 startete. Während das legendäre norwegische Floß „Kon-Tiki“ ein Nachbau eines Boots aus präkolumbianischen Zeiten war und nur aus Materialien bestand, die den Menschen damals schon zur Verfügung standen, wurde die Hülle der Plastiki aus Plastikmüll konstruiert. Diese Verwendung recycelten Materials für den Bau des Schiffes ist Teil des sogenannten Cradle-to-Cradle-Designs der Plastiki.
Erneuerbare Energie
Das Ergebnis ist ein autonomes Boot, das sich hauptsächlich auf erneuerbare Energiesysteme verlässt: Elektrizität wird durch Windturbinen, Solarzellen und einen Fahrraddynamo erzeugt. Die Plastiki verfügt über eine Wassergewinnungsanlage, mit der Meerwasser entsalzt und Süßwasser aus Regenrinnen am Kabinendach gesammelt wird. An Bord findet sich ein kleiner Gasherd, aber kein Kühlschrank. Frisches Gemüse wird in einem vertikalen Garten am hinteren Mast (Besansegel) gezogen, und der vordere Mast dient als Bewässerungsanlage.
Auf zum Müllstrudel
Nicht lange, nachdem die Plastiki den Hafen von San Francisco am 20. März verlassen hatte, erreichten das Schiff und seine Crew den sogenannten Great Pacific Garbage Patch. In diesem gigantischen Müllstrudel mitten im Ozean sammeln sich Plastik, Chemikalien und anderer Zivilisationsmüll. Seine genaue Größe ist unbekannt, die Schätzungen reichen jedoch von einer Fläche fast zweimal so groß wie Deutschland bis zu einer Fläche größer als die gesamten USA. Da Plastik sich in kleinere Partikel zersetzt, ist dieser Strudel nicht als ein großes Feld aus Müll sichtbar – was ihn jedoch nicht weniger real macht.
Giftiges Plastik
Forscher haben nachgewiesen, dass dieses Müllfeld aus Plastik schädlich für mindestens 267 Tierarten ist. Einige dieser nahezu unzerstörbaren Kunststoffe landen im Magen von Vögeln wie dem Schwarzfußalbatros oder anderer Tiere wie der Meeresschildkröte. Weitere Plastikpartikel und ihre giftigen Bestandteile werden von Quallen aufgenommen, die wiederum von größeren Fischen gefressen werden. Diese Fische werden dann von Menschen gefangen und verspeist, so dass auch wir schließlich die toxischen Chemikalien aus dem Ozean aufnehmen.
Unser Müll
Auch wenn die Größe des Müllstrudels noch nicht endgültig bestimmt wurde, so besteht doch kein Zweifel an seiner Ursache: Er dreht sich allein deshalb in den oberen Wasserschichten des Pazifiks, weil wir ihn dort haben entstehen lassen. Er besteht aus unserem Müll, unserem Abfall, unseren entsorgten Alltagsgegenständen. Es gibt leider keine einfache Lösung, ihn zu beseitigen oder die gefährlichen Gifte herauszufiltern, doch zumindest können wir uns darüber im Klaren sein, wie viel gefährlichen Müll wir produzieren und was wir tun können, um die ständig ansteigenden Plastikmassen unserer Wegwerfgesellschaft in Schach zu halten. An der Expedition der Plastiki nehmen sechs Abenteurer teil, die auf einem kleinen Schiff aus recyceltem Plastik 11.000 Seemeilen über den Pazifik segeln und uns auffordern möchten, unseren Müll zu reduzieren, damit er nicht in den Weltmeeren landet.
Folgen Sie David de Rothschild und seiner mutigen Crew Jo Royle, David Thomson, Olav Heyerdahl (Enkel von Thor Heyerdahl) sowie dem Filmemacher Max Jourdan von National Geographic und Vern Moen von Myoo Media: www.theplastiki.com. Hier werden regelmäßig Neuigkeiten, die aktuelle GPS-Position, Beiträge der Crew, Fotos und kleine Filme veröffentlicht. Sydney ist bald erreicht!
Weitere Informationen:
UN-Bericht über den Zustand unserer Ozeane
Der Müllstrudel "Great Pacific Garbage Patch"
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